Manche Karrieren lassen sich in Stationen erzählen. Andere werden Teil einer Unternehmensgeschichte.
Wenn ein Unternehmen auf 100 Jahre Geschichte zurückblickt, dann sind es nicht nur Produkte, Innovationen oder Meilensteine, die diesen Weg geprägt haben. Es sind vor allem die Menschen, die den Wandel Tag für Tag mitgestaltet haben. Einer von ihnen ist Gerhard.
Von den 100 Jahren uvex hat er fast die Hälfte selbst miterlebt. Jahrzehnte voller technischer Entwicklungen, wirtschaftlicher Herausforderungen und gesellschaftlicher Veränderungen. Er hat erlebt, wie sich Arbeitswelten verändert haben, wie neue Ideen entstanden sind und wie aus Tradition Zukunft wurde. Ein persönlicher Blick auf 45 Jahre uvex und auf das, was ein Unternehmen über Generationen hinweg ausmacht.
Zwischen Lochkarten und Digitalisierung
Als Gerhard bei uvex begann, war die Arbeitswelt noch eine völlig andere. Von E-Mails, mobilen Endgeräten oder digitalen Lieferketten in Echtzeit war man damals noch weit entfernt. Gearbeitet wurde mit Lochkarten, Magnetbändern und Schreibmaschinen. Aufträge kamen per Post, Lagerbestände standen auf Karteikarten und Rechnungen wurden manuell durch die einzelnen Abteilungen weitergereicht.
Damals ahnte niemand, wie stark sich nicht nur uvex, sondern die gesamte Arbeitswelt verändern würde. Gerhard hat diesen Wandel nicht nur miterlebt, sondern über Jahrzehnte hinweg aktiv mitgestaltet.
Man musste wirklich sauber arbeiten und eine ordentliche Handschrift haben.
Als Prozesse noch Handarbeit waren
Der Einstieg ins Berufsleben führte ihn in den Bereich Fußschutz, wo er als Disponent arbeitete. Die Aufgaben verlangten ein hohes Maß an Organisation und Genauigkeit: Lieferungen koordinieren, Bestände überwachen, Abläufe steuern – und das in einer Zeit, in der vieles noch manuell organisiert wurde. Viele Entscheidungen basierten damals auf Erfahrung, Überblick und persönlicher Abstimmung.
Gerhard gefiel genau das. Ihn interessierte nicht nur, dass Prozesse funktionierten, sondern auch, wie sie sich verbessern ließen. Kollegen erinnern sich bis heute daran, dass er nie einfach nur Aufgaben abgearbeitet hat. Er stellte Fragen, suchte nach Lösungen und dachte oft schon einen Schritt weiter. Diese Haltung blieb im Unternehmen nicht lange unbemerkt.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich aus dem jungen Disponenten eine Führungskraft mit großem Verantwortungsbereich. 2008 übernahm er schließlich die Leitung des Supply Chain Managements Fußschutz für uvex und Heckel.
Ein bedeutender Karriereschritt in einer Zeit, die kaum herausfordernder hätte sein können.
Krisen zeigen, was ein Unternehmen ausmacht
Nur kurze Zeit nach seiner neuen Aufgabe erschütterte die weltweite Finanzkrise Märkte und Lieferketten. Viele Unternehmen gerieten unter Druck. Entscheidungen mussten schnell getroffen werden, oft unter großer Unsicherheit. Für Gerhard war das eine intensive Zeit. Doch sie zeigte ihm auch etwas, das ihn bis heute prägt.
„Wenn es schwierig wurde, haben bei uvex immer alle zusammengehalten.“
Dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch seine 45 Jahre Unternehmensgeschichte. Besonders deutlich wurde das schon viele Jahre zuvor bei einem Ereignis, das er bis heute nicht vergessen hat.
1994 wurde der Produktionsstandort in Italien von einer schweren Überschwemmung getroffen. Maschinen standen unter Wasser, große Teile der Produktion kamen zum Erliegen und plötzlich stand die Zukunft des gesamten Werks auf dem Spiel. Die Vorgabe war eindeutig: Innerhalb von sechs Wochen musste die Produktion wieder anlaufen. Andernfalls drohte die Schließung. Für viele schien das kaum realistisch. Doch genau in solchen Momenten zeigte sich, was ein Unternehmen wirklich ausmacht. Teams arbeiteten über Standorte hinweg zusammen, organisierten Ersatzteile, planten Prozesse neu und kämpften gemeinsam gegen die Zeit. Und Gerhard war mittendrin.
Nach sechs Wochen lief tatsächlich die erste Maschine wieder. Bis heute spricht er mit Stolz über diesen Moment. Nicht wegen der Zahlen oder Prozesse, sondern wegen der Menschen, die gemeinsam möglich gemacht haben, was vorher unmöglich schien.
Vom Familienunternehmen zur globalen Unternehmensgruppe
In 45 Jahren hat Gerhard erlebt, wie sich uvex immer wieder neu erfunden hat.
Er begleitete den Umzug vom Stammhaus in der Salzstraße in die Fichtenstraße und später auf die Hardhöhe, den heutigen Stammsitz. Er erlebte Ende der 90er Jahre die Einführung von SAP, die viele Arbeitsabläufe grundlegend veränderte. Und er sah, wie aus mehreren einzelnen Lagern moderne Logistikzentren entstanden.
Was früher mit Papierlisten und Telefonaten organisiert wurde, läuft heute digital, international und hochvernetzt.
Von Krawatten, klaren Hierarchien und einer neuen Arbeitswelt
Auch die Unternehmenskultur hat sich in vier Jahrzehnten spürbar verändert. Früher gehörten Anzüge und Krawatten zum Alltag. Hierarchien waren klarer, Meetings oft direkter und manchmal auch lauter. Heute erlebt Gerhard uvex moderner, offener und persönlicher. Die Kommunikation ist schneller geworden, Teams arbeiten flexibler zusammen und vieles ist weniger formell. Und dennoch erkennt er bis heute denselben Kern wieder: Verantwortung, Vertrauen und Zusammenhalt. Für Gerhard sind genau diese Werte ein wesentlicher Grund dafür, dass sich uvex über so viele Jahre hinweg erfolgreich weiterentwickeln konnte.
Auf die Frage unseres Azubis, welche Fähigkeiten heute und in Zukunft besonders wichtig sind, muss Gerhard nicht lange überlegen. Die Arbeitswelt habe sich in den vergangenen Jahren rasant verändert – durch Künstliche Intelligenz, die ständige Verfügbarkeit von Informationen und immer komplexere globale Zusammenhänge. Umso wichtiger sei die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und offen für Neues zu bleiben.
„Die Welt verändert sich permanent. Man muss bereit sein, mitzugehen.“
Ein Satz, der wohl kaum besser beschreibt, warum Gerhard nach 45 Jahren im Unternehmen noch immer mit derselben Neugier und Offenheit auf Veränderungen blickt.
45 Jahre uvex. Und kein bisschen Stillstand.
Auf die Frage, ob er rückblickend etwas anders machen würde, antwortet Gerhard ohne lange nachzudenken.
„Nein. Alles, was passiert ist, hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin.“
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Botschaft seiner Geschichte. 45 Jahre uvex bedeuten nicht nur vier Jahrzehnte Arbeit. Sie stehen für Wandel, Vertrauen, Verantwortung und die Fähigkeit, gemeinsam durch schwierige Zeiten zu gehen.
Während uvex in diesem Jahr 100 Jahre Unternehmensgeschichte feiert, ist Gerhards Weg ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass hinter jedem Wandel Menschen stehen, die ihn möglich machen. Und manchmal begleitet jemand davon fast die Hälfte der gesamten Geschichte.