Interview Rainer Winter

Interview mit Rainer Winter

Sie sind mit 20 Jahren in die Firma eingetreten. Als was haben Sie angefangen

Ich habe an der damaligen Wirtschaftshochschule in Nürnberg studiert. Jeden Tag hat mich mein Vater gefragt: Rainer, was machst Du heute? Und ich habe geantwortet, was wohl? Worauf er immer gesagt, ja, ja ich weiß schon, du bist wieder an dieser Uni. Er war überhaupt nicht angetan von meinem Studium, sondern wollte, dass ich so schnell wie möglich in die Firma einsteige. Er hat sich das mit dem Studium zwei Semester lang angesehen, bis er gesagt hat, jetzt hör endlich auf. 
Man muss dazu sagen, dass mein Vater damals schon gesundheitlich angeschlagen war. Und er war ein Macher. Er hat mit Null angefangen und hat die Firma ganz ohne Kapital aufgebaut – das ist das Schwerste, was man machen kann.

Sie haben schließlich eingewilligt?

Ja, unter einer Bedingung. Ich wollte ein Jahr lang in die USA, bevor ich in die Firma komme.

Wie sind Sie auf die USA gekommen?


Die USA waren uns damals in vielerlei Hinsicht voraus – vor allem in unternehmenspolitischer, daher wollte ich dort hin. Aber wohin und wie ich das machen will, wusste ich nicht (lacht). Aber ich hatte Glück, das Glück des Tüchtigen, denn ich habe mich informiert und bin auf die Carl-Duisberg-Gesellschaft gestoßen, einer Stiftung der Bayer Chemie. Diese hatte ein Programm für die Nachwuchsförderung. Genau das, was ich gesucht habe. Also bin ich zusammen mit neun anderen jungen Damen und Herren in die USA gereist. Das Programm umfasste drei Monate am College und sechs Monate Praktikum in einer Firma, die vom College vermittelt wurde.

Konnten Sie denn zu diesem Zeitpunkt gut Englisch?

Nein, denn ich war auf einem humanistischen Gymnasium und hatte dort Latein und Griechisch. Aber ich habe die Sprache schnell gelernt und hatte auch ansonsten viel Glück: Ich bin zusammen mit einem Frankfurter Mitstudenten nach Chicago gegangen, wo wir uns eine Wohnung geteilt – und uns gut verstanden haben. Es war viel wert, nicht allein zu sein.

Und wo haben Sie gearbeitet?

 

Bei Helene Curtis Haarkosmetik: Die Firma hat Shampoo und andere haarpflegende Mittel hergestellt. Der Personalchef hat mich gefragt, was ich machen will. Das war meine Chance. Ich war in einer markenorientierten Firma und wollte wissen, wie Marken entwickelt werden und wie Marketing funktioniert. Vom Marketing Manager habe ich viel gelernt und zusammen mit ihm eine Shampoo-Marke in Mexiko eingeführt.

Wie war dann Ihr Einstieg bei uvex als Sie wieder zurück in Deutschland waren?

 

Ich habe meinen Vater gesagt, dass ich zur Verfügung stehe, aber nicht als sein Assistent. Ich habe ihn gebeten, dass ich die Verantwortung für einen der fünf Bereiche bekomme, den ich dann selbständig führen kann. Er hat sich für die Sonnenbrillen entscheiden, da er meinte, dass er davon am wenigsten versteht. Also habe ich im Bereich Sonnenbrillen angefangen und mir erst einmal alles angeschaut, vor allem wie die Verkaufsorganisation strukturiert ist. Ich war zum Beispiel mit unsrem Allround-Vertreter auf großer Skandinavien-Tour.

Und Sie haben sehr bald uvex als Markennamen eingeführt?

Ja, denn der damalige Verkaufsleiter der Sonnenbrillen, Herr Lenz, konnte mir nicht erklären, warum unsere Sonnenbrillen eigentlich keinen Namen haben – denn andere wie zum Beispiel Primetta hatten schon damals einen. Unsere hießen einfach nur Winter Sonnenbrillen, was ja nicht so viel Sinn machte. Also haben wir einen Namen entwickelt – der das ausdrücken sollte, was die Brillen auszeichnet „Ultraviolet Excluded“. Es waren verschiedene Varianten im Gespräch z.B. auch utrex, aber schließlich wurde es uvex. Der Name hat mir gefallen und hat auch in allen Sprachen gepasst. Dieser wurde dann auf alle Produkte übertragen, die wir vertrieben haben. Nur die Arbeitsschutzprodukte haben noch längere Zeit den Namen Winter getragen, da der damalige Geschäftsführer den Namen uvex nicht übernehmen wollte.

uvex hat sich sehr bald von einem deutschen zu einem internationalen Unternehmen entwickelt. Wie sind sie dabei vorgegangen?

 

Vor allem kosten- und marktorientiert. Wir haben angefangen mit den Ländern, die sich von Fürth aus gut bearbeiten ließen wie Österreich oder die Schweiz – und sind dann Schritt für Schritt weiter gewachsen. Wichtig war uns aber immer der Heimmarkt, denn wir haben 60 % unseres Umsatzes in Deutschland erzielt.

Sie haben Ihren Vater als Macher bezeichnet. Wie würden Sie sich selbst einschätzen?

(Überlegt kurz) Als marktorientierten Strategen.

Können Sie uns drei Dinge nennen auf die Sie besonders stolz sind?

Ich will keine Einzelleistung herausheben. Aber ich bin stolz, dass ich die Firma von einem Umsatz von vier Millionen D-Mark zur heutigen Größe geführt habe. Ein Erfolg ist auch, dass ich immer die richtigen Mitarbeiter hatte. „Business is people“ ist auch heute noch einer meiner Leitsätze. Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass die bessere Mannschaft gewinnt – wie im Sport. Und ich freue mich, dass mein Sohn Michael das Unternehmen so hervorragend führt.

 

 

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